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Giovanni Weiss & Django Deluxe

A story of passion and faith.

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DIE ESSENZ -

Wenn wir etwas spielen, dann soll es bleiben

Wer dem Hamburger Trio Django Deluxe lauscht, wird sofort von einem äußerst perkussiven Gitarrenspiel umgarnt. Dem von Giovanni Weiss’ Sologitarre und dem von Robert Weiss’ Rhythmusgitarre. Die Rhythmik unterfüttert in den Tiefen Jeffrey Weiss einmal mehr mit seinem Kontrabass. Dabei steht die Formation hörbar in der Tradition des berühmtesten Vertreters des Sinti-Swing, in der von Django Reinhardt, der insbesondere im Quintette du Hot Club de France in den 1930er Jahren, zu Ruhm und Bekanntheit gelangte. Doch bei Django Deluxe klingt weitaus mehr mit, als nur das Django Reinhardt-Erbe. Viel mehr!
Durch dieses Mehr lassen sie die NDR Bigband aufhorchen. Daraus entspinnt sich eine Kooperation, die im vorliegenden Album „Driving“ mündet und gleichzeitig illustre Gäste wie Y’akoto, Ayo und den Gitarristen Stochelo Rosenberg anlockt.

„Die Kompositionen Django Reinhardts und die von ihm erweiterten Akkorde sind auch im 21. Jahrhundert immer noch ein wichtiger Bestandteil des Sinti-Swing-Repertoires“, reflektiert Giovanni Weiss, „bleibt er doch für alle in unserem Volk der unangefochtene Meister und ein großes Vorbild. Auch für uns. Aber Musik bewegt sich nur voran, wenn jeder mit der Inspiration Django Reinhardts auch seinen eigenen Weg geht. Zu schnöden Nachahmern taugen wir nicht. Wir wollen mehr.“ Etwas, was der Musik von Django Deluxe schon immer eigen war, ist ihre großartige Seelentiefe. Und dazu braucht sie keinen Bombast, keine unnötigen Schnörkel oder eine Höher-Schneller-Weiter-Technik am Instrument. Django Deluxe halten es einfach und reduziert. Aber genau deshalb explodiert aus ihren Klängen die Kraft und Energie geradezu und dringt aus der Seele der Musiker kommend direkt ins Herz der Zuhörer. Aber was ist es, was da neben der Sinti-Swing-Klassik noch mitschwingt? „Natürlich wirst du als Sinti-Gitarrist immer mit Django Reinhardt konfrontiert“, fügt Robert Weiss an, „notwendigerweise. Doch unsere Ohren wurden bereits als Jugendliche in eine weitere Richtung geöffnet.“ „Und zwar, als wir beim Rumstöbern auf dem Dachboden eine alte verstaubte Schallplatte fanden – eine des amerikanischen Gitarristen George Benson“, grätscht Giovanni Weiss dazwischen, „ihr haben wir fasziniert zugehört und dann probiert, das nachzuspielen. Immer und immer wieder. So intensiv, wie wir uns vorher mit Django Reinhardt auseinandergesetzt hatten.“ Der Eindruck, den George Benson auf Giovanni Weiss macht, ist so groß, dass der Hamburger heute noch mit der gleichen Gitarre auf der Bühne steht, wie George Benson – mit der legendären Gibson L-5. Aber auch Hip Hop beeinflusst den Klangkosmos von Django Deluxe. Ebenso, wie der Alltag ihres Brotjobs.

Tagsüber nämlich arbeiten Giovanni Weiss, Robert Weiss und Jeffrey Weiss auf einem Schrottplatz und sortieren Altmetalle. „Auch dort haben wir unsere Instrumente dabei“, lacht Giovanni Weiss, „und in den Pausen wird Musik gemacht. Mit ein Grund, warum wir so perkussiv Gitarre spielen, mag auch der Rhythmus sein, der auf einem Schrottplatz laut und heftig vorhanden ist.“ Auf dem Schrottplatz aber wird auch geträumt – von der verschütteten Orchestertradition der Sinti. „Es gibt eine große Tradition der Sinti-Orchesterformationen, die nach und nach versandete, da es immer schwieriger wurde, solch große Klangkörper zu finanzieren“, bemerkt Jeffrey Weiss. Da kommt der Kontakt zur NDR Bigband unter der Leitung von Chefdirigent Jörg Achim Keller gerade Recht. Daraus entwickelt sich über die Zeit ein immer fester werdendes kreatives Band, das 2013 schließlich in der Idee mündet, gemeinsam eine Platte aufzunehmen. „Da Jörg Achim Keller höchsten Wert auf Natürlichkeit legt, haben wir eine besondere Form der Vorarbeit gewählt“, skizziert Giovanni Weiss die gemeinsame Arbeit, „er hat uns die Freiheit gelassen, die Stücke selbst zu arrangieren und diese in Demos zu manifestieren. Mit dieser Vorgabe hat er die Arrangements für die Bigband geschrieben. Er hat praktisch auf uns drauf geschrieben.“ Schnell stellt sich heraus, dass der Dirigent einfach dasselbe Gefühl, wie Django Deluxe hat. Das geht soweit, dass er den von den Django Deluxe-Musikern gewünschten Soli der NDR Bigband-Musiker den entsprechenden Raum einräumt. Etwa dem am Flügelhorn von Ingolf Burkhardt im Stück „China Boy.“ „Als wir zum ersten Mal die von George Brenner produzierten Aufnahmen hörten, war da genau der Klang, den wir uns vorgestellt hatten“, sagt Robert Weiss, „und dann sind da ja noch die illustren Gäste.“

Giovanni Weiss
ECHO JAZZ AWARD
Winner
2013 & 2016

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EXPLOSIVE KRAFT UND ENERGIE

Illustre Schar musikalischer Gäste

Bisher ist mehr als deutlich geworden, dass Django Deluxe durchaus aus der Tradition lernen, damit ihre kreative Gegenwart gestalten und durch die Inspiration durch alles, was Musik ist, weit in die Zukunft schauen. „Wenn wir etwas spielen, dann soll es auch bleiben“, daran lässt Giovanni Weiss keinerlei Zweifel, „wir wissen aber auch, wie wichtig es ist, dass musikalische Gäste unsere Interpretationen in überraschende Bahnen lenken. Und dass deshalb häufig umso mehr bleibt.“ Blickt man nun auf die angesprochene Gästeliste, kriegt man schon erwartungsvoll große Ohren. Sind da doch die ebenfalls aus dem Sintivolk stammenden Musiker Stochelo Rosenberg an der Gitarre und Jermaine Landsberger am Piano oder Fender Rhodes vertreten. Besonders erwähnenswert ist dabei Stochelo Rosenbergs wunderbarer Jazzschmelz, der seine Soli auf dem Album „Driving” überzieht. Seinen unbestechlichen Drive und seine inspirierende Kreativität bringt der Schlagzeuger Wolfgang Haffner mit ein. Das Stück „Stina“ wird gemeinsam mit Y’akoto geschrieben und aufgenommen. „Unser Produzent George Brenner hatte mit Y’akoto gearbeitet“, erzählt Jeffrey Weiss, „wir haben sie bei der Arbeit beobachtet und sie uns. Anschließend haben wir uns hingesetzt und ein wenig rumgejammt. Plötzlich waren wir musikalisch zusammen und konnten gar nicht anders, als ein Stück daraus machen. Egal aus welchem Kulturkreis du kommst, welchem musikalischen Genre du anhängst, du kannst immer mit der Sprache der Musik miteinander kommunizieren.“ Auch im Kontext von Django Deluxe berührt ihre kraftvolle, unverkennbare Stimme auf wunderbare Weise. Das trifft auch auf den Fred Ahlert/Roy Turk-Standard „Mean To Me“ zu, bei dem die Sängerin Ayo zum Mikrofon greift. Sie hat nicht nur nigerianische Wurzeln, ihre Mutter ist zudem Roma. So bringt sie eine weitere, unerwartete künstlerische Facette ins Spiel, die eindringlicher nicht sein könnte.

Django Deluxe führen nicht nur das Erbe Django Reinhardts in die Zukunft – ihre Platte „Driving“ erscheint bei MPS. Das ist jenes legendäre Label aus dem Schwarzwald, das zwischen 1968 und 1983 Maßstäbe in der audiophilen Produktion und der künstlerischen Eigenständigkeit setzte. MPS wird nun mit nationalen und internationalen Jazz-Künstler neu gestartet. Und zwar mit Klängen und Ideen, die in die Zukunft weisen. Genau die richtige neue Heimat für Django Deluxe. Wer der neuen Platte „Driving“ von Django Deluxe sein Ohr leiht, der wird nicht mit klischierter Zigeuner-Romantik überschüttet, aber mit einer Musik, die trotz ihrer bewusst zitierten Sintiwurzeln moderner nicht sein könnte. Und auch, wenn es Jazz ist, ist es Musik für alle. Ist jedem zugänglich. „Das, was wir machen, verlangt keine irgendwie gearteten Kenntnisse. Auch braucht man keinen Geheimcode, um Zugang zu finden“, sagt Giovanni Weiss, „wir machen einfach Musik. Voller Gefühl und einem Hauch Melancholie.“

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